Der Kreis Euskirchen hat ein neues Modell zur Unterstützung von Schülern mit Förderbedarf eingeführt: Die individuelle Schulbegleitung wird durch eine Klassenassistenz ersetzt. Ziel ist es, die Teilhabe aller Kinder zu verbessern, Stigmatisierung zu vermeiden und langfristig Kosten zu senken. Dieses Pilotprojekt, das zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, stößt auf geteilte Reaktionen und wirft Fragen bezüglich der Inklusionsmodelle auf.
Neue Wege in der Schulischen Unterstützung
Bisher setzte der Kreis Euskirchen auf die klassische Eins-zu-eins-Betreuung einzelner Schülerinnen und Schüler durch Schulbegleiter. Mit dem neuen Klassenassistenzmodell sollen nun Assistenzkräfte flexibel in ganzen Klassen eingesetzt werden, um Kinder bei der Konzentration, dem sozialen Miteinander und der Organisation des Schulalltags zu unterstützen. "Es geht darum, Teilhabe zu sichern, nicht Unterrichtsinhalte zu vermitteln", betont Birgit Wolber, die das Modell beim Kreis begleitet.
- Ziel: Verbesserung der Teilhabe, Vermeidung von Stigmatisierung.
- Umsetzung: Klassenassistenzen statt individueller Schulbegleitung.
- Fokus: Unterstützung des sozialen Miteinanders und der Organisation, nicht der Vermittlung von Lerninhalten.
Kosten und Erwartungen
Obwohl die Politik ursprünglich eine Kosteneinsparung anstrebte, wird das neue Modell zunächst zu Mehrkosten führen. Dagmar Geschwind, Leiterin des Geschäftsbereichs Jugend, Bildung und Integration, erklärt, dass der Anspruch auf Integrationshilfe ein Rechtsanspruch sei, der einklagbar ist. Eine Budgetüberschreitung sei daher unvermeidlich. Zudem droht der Wegfall der Inklusionspauschale des Landes NRW, was die finanzielle Situation weiter verschärfen könnte.
Pilotprojekte und Skepsis
Das Modell wird zunächst an der Matthias-Hagen-Schule in Kuchenheim sowie an den Grundschulen Mechernich, Kommern, Satzvey, Kall und Lückerath erprobt. Schulen wurden gezielt ausgewählt, um Erfahrungen zu sammeln. Einige Eltern äußerten zunächst Sorge, ihr Kind könnte weniger Unterstützung erhalten. Informationsveranstaltungen sollen diese Bedenken ausräumen und verdeutlichen, dass bei Bedarf weiterhin individuelle Anträge gestellt werden können. Auch Lehrkräfte wurden früh eingebunden und sehen inzwischen eine Entlastung des Schulalltags.
Langfristige Perspektiven
Das Projekt läuft zunächst zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung. Nach einer umfassenden Evaluation soll entschieden werden, ob das Modell auf weitere Schulen ausgeweitet wird. Erste Rückmeldungen sind vielversprechend, und der Kreis hofft, dass sich der Bedarf an individuellen Schulbegleitungen langfristig reduziert und somit auch die Kosten sinken. Derzeit gibt es im Kreis Euskirchen rund 480 Schulbegleitungen, eine Zahl, die stetig steigt.
Quellen
- Kreis Euskirchen: Aus Schulbegleitung wird Klassenassistenz, Rundschau Online.


